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Permakultur: mit der Natur arbeiten statt gegen sie

Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, sich für den Schutz der Umwelt, gegen die Wegwerfgesellschaft und für ein faires Zusammenleben zu engagieren. Die Idee der Permakultur ist, sich wieder mehr an den Gegebenheiten der Umgebung zu orientieren: Zum Beispiel beim Anbau von Nahrungs- und Arzneimitteln oder von Fasern für Textilien und beim Bauen.
  • Permakultur: Bedeckter Boden
    Dem Wald abgeschaut: auch in der Permakultur gibt es keine nackten Böden – sie sind entweder durch Pflanzen bedeckt oder gemulcht. (Bild: Pascal Furrer)
  • Permakultur: Vielfalt statt Eintönigkeit
    Permakultur: Vielfalt statt Eintönigkeit ist gut fürs Auge und erschwert auch einem spezialisierten Schädling das Leben (Bild: Pascal Furrer)
  • Permakultur schafft essbare Landschaften statt öde Asphaltflächen in der Stadt
    Die Transition-Town-Bewegung brachte die Permakultur in die Stadt. So enstehen essbare Landschaften statt öde Asphaltflächen. (Bild: Silvia Bucher)
  • Die Zonen der Permakultur
    Je höher die Zonenzahl, desto weiter weg vom Haus, desto extensiver die Bewirtschaftung. Meist werden fünf oder sechs Zonen geplant und in einer Skizze aufgezeichnet. (Infografik: Silvia Bucher)

Früher wurden in vielen Kulturen – mangels Alternativen – Kreisläufe automatisch geschlossen: die Abfälle der Konsument*innen standen als Rohstoffe wieder zur Verfügung. Die Permakultur ist also nichts Neues. Nur passt sie – und gerade der Kreislaufgedanke – so perfekt zum Zeitgeist, dass man sie als Modeerscheinung wahrnehmen könnte. Auch ist Permakultur nicht eine Rückkehr zur Steinzeit. Vielmehr ist sie eine Kombination von Bewährtem mit neuer Technologie, die möglichst ohne fossile Energie auskommt.

Von der Natur lernen und sorgfältig planen

Hochbeete, Kräuterspiralen und Mischkulturen sind bekannt und kommen in der Permakultur als Anbaumethoden vor – vorausgesetzt, sie machen im konkreten Projekt Sinn. So sind es auch die sorgfältige Beobachtung der Umgebung (Klima, Sonneneinstrahlung, Wind, Wasservorkommen, soziale und ökonomische Aspekte etc.), das Kooperieren und Integrieren sowie die gute Planung, was die Permakultur zu ihren Errungenschaften zählen darf. Zur Planung gehört auch die Einteilung der räumlichen Umgebung in Zonen. So werden Flächen in der Nähe der Wohnbereiche anders behandelt als Flächen, die weiter entfernt sind. Die umgebenden Lebensräume mit ihren Pflanzen und Tieren werden miteinbezogen. Auch die Ästethik darf nicht vergessen gehen.

Von der Natur lernen und mit ihr statt gegen sie arbeiten: Statt den Boden – wie in der hochindustrialisierten Landwirtschaft – mit schweren Maschinen, Monokulturen und Pestizideinsätzen so lange zu belasten, bis nichts mehr wächst, setzt man auf Vielfalt, leichte Werkzeuge und Handarbeit. Man schafft so Ökosysteme, die sich selbst erhalten, die robust sind und den Boden permanent (nachhaltig) Humus aufbauen lassen. So bleibt er auf lange Sicht fruchtbar für die Produktion von gesunden Lebensmitteln. Die Arbeitsweise der Permakulturist*innen greift auf altbewährte einfache Methoden zurück und kombiniert diese optimal mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Bio oder Permakultur?

Zum biologischen Landbau gibt es viele Überschneidungen und Gemeinsamkeiten, die Permakultur geht aber noch weiter und versucht zum Beispiel, möglichst auf den Einsatz fossiler Energien zu verzichten. Auch der Herausforderung des Biolandbaus, dem im Vergleich zum konventionellen Anbau etwas grösseren Flächenverbrauch entgegenzuwirken, könnten Methoden der Permakultur helfen. Ein Label wie für Bioprodukte gibt es für die Permakultur aktuell nicht.

Earth care, people care und fair share

Mit der Erde achtsam umgehen, alle Menschen gut behandeln, dem Konsum Grenzen setzen und so für eine gerechte Verteilung sorgen, dies sind die drei Grundprinzipien. Permakultur ist demnach mehr als die Produktion von Nahrung an sich. Sie verfolgt einen holistischen Ansatz einer verantwortungsvollen Lebensweise, die versucht, die menschlichen Bedürfnisse durch ökologische und regenerative Lösungen zu decken. Dies bedeutet, auch mit den persönlichen Energieressourcen sorgfältig umzugehen, genügend Erholung und eine gesunde Ernährung. Permakultur meint nicht, schuften bis zum Umfallen. Erfolge und Erträge dürfen genossen und gefeiert werden. Der Austausch untereinander – sei es von Emotionen, Wissen oder Gütern und das Schaffen von Netzwerken ist wichtig.

Permakultur ist hier und jetzt und für alle möglich

Oft starten Projekte im persönlichen Umfeld, innerhalb der Familie oder in Hausgemeinschaften. Es gibt ganze Permakulturdörfer oder Unternehmen, die nach den Ideen der Permakultur funktionieren. In solchen Unternehmen werden Hierarchien weniger wichtig. Vielmehr werden die Leute motiviert mit- und quer zu denken. Die Arbeit wird vielfältig auf die Mitarbeitenden verteilt, um Monotonie – ähnlich wie draussen auf dem Feld – zu vermeiden.

In der Stadt

Nach der Idee der Transition-Town-Bewegung, welche die Permakultur in die urbanen Gebiete bringt, entstehen auch in Luzern und den umliegenden Gemeinden „essbare Landschaften“ für die Bevölkerung: Auf einst für Menschen und andere Lebewesen nutzlosen Flächen, wachsen heute Beeren und Obst für alle, ganz besonders auch für Kinder auf Schulanlagen. Die Herausforderung solcher öffentlicher Naschgärten ist, dass diese auch mit wenig Pflegeaufwand Früchte abwerfen. Die Antwort ist wiederum Vielfalt und eine mutige, vielleicht ungewohnte Auswahl von mehrjährigen Pflanzen. So finden auch kleinere Lebewesen Raum und Nahrung: Die Biodiversität im Siedlungsraum wird gefördert. Die Grenzen zwischen Nützlingen und Schädlingen verfliessen.

In der Landwirtschaft

Später als im restlichen Europa kommt die Permakultur auch bei uns in der Landwirtschaft an. Zwei Projekte aus der Region sind der Erlenhof in Büron und der Chuderboden oberhalb Schachen bei Malters. Beat Rölli, selber Biologe, Landwirt und Permakulturist, ist daran, einen ökologisch nachhaltigen Hof aufzubauen, der wirtschaftlich bestehen kann und anderen Landwirt*innen Alternativen zur industriellen Landwirtschaft aufzeigt. Auf dem Hof wachsen Beeren, Weinreben und Wildobst. Geplant ist der Bau eines energieautarken Gebäudes, dass es ermöglicht, in einer Gemeinschaft auf dem Hof zu leben und zu arbeiten und gleichzeitig Kurse anzubieten. Für seine Pionierarbeit in der Schweiz hat er den diesjährigen Umweltpreis der Albert Köchlin Stiftung erhalten. Weiter erfreulich für alle motivierten Permakulturlandwirt*innen ist, dass der Bund seit 2020 neu auch Mischkulturen anerkennt und dafür Direktzahlungen spricht.

In trockenen Regionen auf der ganzen Welt

Von Südspanien über Marokko, Madagaskar bis nach Indien gibt es erfolgreiche Beispiele, wo in sehr trockenen Regionen der Welt Böden mit Hilfe der Permakultur wieder fruchtbar gemacht werden konnten. Ein besonderes Projekt eines kleinbäuerlichen Betriebes Bec Hellouin liegt in der Normandie, wo sonst industrialisierte Grossbetriebe dominieren. Wissenschaftler haben diesen Hof erforscht und ihre Erkenntnisse belegen, dass der Betrieb auf der gleichen Fläche und mit kaum maschineller Unterstützung mehr Ertrag und Gewinn bringt, als ein normaler Biobetrieb.

Auch ohne Garten oder Hof

Nicht alle haben einen Bauernhof oder ein eigenes Grundstück mit Garten. Trotzdem sind viele Aspekte dieser bewussten Lebensweise umsetzbar. Ein paar Tipps:

  • nur verbrauchen, was wir wirklich benötigen, um keine wertvollen Ressourcen unserer Erde zu verschwenden: zum Beispiel Foodwaste vermeiden, kurze Distanzen zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen und so auf Erdöl verzichten
  • das Geld bewusst für lokale und saisonale Produkte (z. B. direkt bei den Bio-Produzent*innen) ausgeben oder ein Gemüseabo organisieren, statt auf vermeintliche Aktionen und Schnäppchen hereinfallen
  • dem Boden Sorge tragen und Lebensmittel von Produzent*innen beziehen, die diesen nicht mit Pestiziden oder unsorgfältiger Bewirtschaftung belasten: Viele (kleine) zertifizierte Biobetriebe in der Schweiz verfolgen ähnliche Prinzipien wie die Permakultur und verzichten zum Beispiel auf die Verfütterung von Soja aus Brasilien, obwohl es gemäss Bio-Richtlinien erlaubt wäre
  • Kreisläufe auch im Kleinen schliessen:
    • aus dem eigenen Grüngut einen Kompost anlegen (oder Terra Preta), daraus kann Erde für die Balkonpflanzen oder den Gemüsegarten entstehen – der Transport von Pflanzerde in Plastiksäcken entfällt
    • Dinge reparieren (oder reparieren lassen in einem Repair Café) statt wegwerfen, sie in eine andere Funktion überführen oder jemandem weitergeben
    • Keine Esswaren wegwerfen, dafür Resten verwerten (sieh oben: Foodwaste)
  • Sich rücksichtsvoll in der Natur aufhalten und deren positive Wirkungen wie Ruhe, Farben, Ästhetik, Vielfalt und Bedingungslosigkeit bewusst wahrnehmen
  • Selbst kreativ sein, neue Ideen entwickeln und diese mit anderen teilen – besonders mit Kindern
  • ...

Die vielen Beispiele der Permakultur zeigen, es ist möglich, ökologisch zu leben, ohne gleich aus der Gesellschaft auszusteigen, in die Steinzeit zurückzufallen und auch ohne den Lebensstandard zu verringern. Eine bewusste und gesunde Genügsamkeit (Suffizienz) kann die Lebensqualität sogar erhöhen.

 

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Permakultur: Der Australier Bill Mollison entwickelte durch genaues Beobachten der Natur und durch das Zusammenleben mit Naturvölkern ein Konzept für eine „Permanente Agriculture“, die Permakultur – gemeinsam mit seinem damaligen Studenten David Holgrem. Es eröffneten sich Möglichkeiten für eine nachhaltige und sozialverträgliche Landwirtschaft und Lebensweise, die sich auf der ganzen Welt anwenden lassen. Für sein Werk erhielt er 1981 den "Alternativen Nobelpreis".

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Zuletzt geändert 
10 Dez 2020 - 23:31

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