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Solidarische Landwirtschaft

Das Wort „solidarisch“ wird im Duden mit „gemeinsam verantwortlich“ oder auch „gegenseitig verpflichtet“ beschrieben. Wie funktioniert eine solche solidarische Landwirtschaft?

Was ist solidarische Landwirtschaft?

„Solidarische Landwirtschaft" basiert auf der direkten Zusammenarbeit zwischen Produzent und Konsument. Dahinter steht der Wille zu mehr Selbstbestimmung bei der Nahrungsmittelproduktion und der Wunsch nach einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Diese  Erklärung findet man auf der Internetseite der Kooperationsstelle für solidarische Landwirtschaft.

Solidarische Landwirtschaft wird auch häufig mit dem Begriff „Solawi“ abgekürzt. Dieses Wort setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben der einzelnen Wörter aus „SOlidarishen LAndWIrtschaft“ zusammen.

Betriebsbeitrag statt Produktepreise

Solidarische Landwirtschaft (abgekürzt Solawi) schafft die Produktepreise ab und finanziert direkt die Produktion: Der Konsument bezahlt einen Betriebsbeitrag oder vereinbart mit dem Landwirt eine Flächenpauschale, die die vollen Produktionskosten deckt.

Verbindlichkeit

Produzent und Konsument schließen sich längerfristig zusammen. Das Abo läuft in der Regel ein ganzes Jahr, was der Zeitdauer einer Anbauplanung entspricht. Die Vertragsdauer variiert je nach Betrieb. Es gibt Ausprägungen der Solawi, bei dennen diese Vertragsdauer in ein Sommer- und ein Winter-Abo aufgeteilt wird.

Partizipation

Hisichtlich Partizipation können sich verschiedene Solawi-Modelle stark unterscheiden. Die Produktion wird von den Konsumenten in der Regel auch mitgetragen. Diese beteiligen sich aktiv an der Entscheidungfindung und der Planung, was mit welchen Methoden und unter welchen Bedingungen produziert werden soll. Durch die praktische Mitarbeit im Betrieb und die persönlichen Erfahrungen wird die Wertschätzung für die landwirtschaftliche Arbeit und die Lebensmittel gefördert.

Vorteile

Solawi entlastet den Produzenten vom Vermarktungsaufwand und bietet gute Voraussetzungen, um ökologisch zu arbeiten. Durch die Mitarbeit der Mitglieder wird der Anbau von handarbeitsintensiven Kulturen wie beispielsweise Stangenbohnen ermöglicht. Für den Produzenten ist der Preisdruck geringer, da die Solawi nicht von den Produktepreisen abhängig ist, sondern von einem fixen Abo-Preis profitieren kann. So kann beispielsweise auf einen beheizbaren Tunnel verzichtet werden, was auch aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll ist. Und das wohl wichtigste Argument, der Konsument erhält regelmässig frische und saisonale Nahrungsmittel vom Produzenten den er kennt.

Nachteile

Der Konsument ist bei einer schlechten Ernte, beispielsweise auf Grund eines Unwetters, direkt betroffen. So kann es sein, dass die Gemüsetasche im entsprechenden Monat weniger gefüllt ist. Der Konsument trägt das Risiko schliesslich mit.  

Die Gemüsevielfalt ist im Winter sicher eingeschränkter, wenn man sich ausschliesslich regional ernährt. Das Gemüse, welches produziert wird, wird schlussendlich auch geliefert. So gibt es dann beispielsweise zum wiederholten Mal einen Sellerie in der Tasche, obwohl man vielleicht noch einen Knollen aus der letzten Tasche im Kühlschrank hat.

Geschichte

Erste Solawi-Betriebe kennt man bereits aus den 1960/70er Jahre in Japan. Viele Familien sorgten sich um den negativen Einfluss einer industrialisierten Landwirtschaft auf ihre Gesundheit. Konsumenten sicherten einem Produzenten zu, ihm seine ganze Ernte einer Saison abzunehmen, welcher als Gegenleistung Lebensmittel ohne chemischen Dünger und Pestizide produzierte. Aus jener Dynamik entstanden die ersten Teikei, übersetzbar in „kollaboratives Engagement“.
Ab 2006 verbreitete sich die Idee der solidarischen Landwirtschaft in der Westschweiz und einige Zeit später folgten Projekte in der Deutschschweiz. In der Schweiz sind vor allem Gemüsekooperativen aktiv, während in Deutschland vermehrt ganze Höfe nach den Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft wirtschaften.

Solawi- Betriebe im Kanton Luzern

Randebandi ist eine Gemüsebaukooperative in Neuenkirch, welche auf 0.6 Hektaren Land, Gemüse für rund 70 Gemüse-Taschen anbaut. Das Gemüse wird unter Anleitung von einer oder mehreren Gartenfachkräften von den Vereinsmitgliedern selber angebaut, geerntet und wöchentlich in die Depots verteilt.

Der NaturGut Katzhof befindet sich in Richenthal. Zum Hof gehören Tierhaltung, Acker- und Futterbau, Gemüsebau und Obstbau. Die Gemüsetasche wird wöchentlich mit durchschnittlich 4 bis 5 Portionen saisonalem Gemüse ausgeliefert in der Region Luzern, Sursee und Richenthal.

Gmües Mattli erntet saisonales Gemüse aus sorgfältigem und kleinbäuerlichem Anbau in Kastanienbaum. Das Gemüse ist im Hofladen, in wöchentlich gelieferten Gemüsekistchen oder in ausgewählten Restaurants sowie im Quai4-Markt in Luzern erhältlich.

Kennen Sie einen weiteren Hof, welcher nach den Prinzipien von Solawi arbeitet? Schreiben Sie uns bitte!

Zuletzt geändert 
28 Dez 2018 - 16:38

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