Plastik: Müllverbrennung oder Recycling?
Ratgeber
Die Frage, ob und in welchem Umfang Kunststoffe recycliert werden können, gehört zu den häufigeren Fragen. Nachfolgend einen komprimierten Ratgeber, der die wichtigsten Aspekte zusammenfasst.
Ratgeberfrage
- Umwelt «Wo verläuft die Grenze zwischen recyclen und entsorgen?
- Was wird ohne lange Wege weiterverarbeitet, bestenfalls in der Schweiz?
- Wie ist es konkret beim Plastik?
- Wird dieser der Kehrichtverbrennung zugeführt oder wird dieser tatsächlich recyclet?»
Antwort
Um Glas, Metalle und Kunststoffe herzustellen, werden natürliche Ressourcen abgebaut, transportiert und verarbeitet. Wenn wir Materialien recyceln, sparen wir Rohstoffe und Energie. Was nicht wiederverwertet werden kann, wird in der KVA verbrannt oder findet den Weg in eine Deponie.
In der Schweiz gibt es viele Möglichkeiten, Abfälle zu entsorgen: Öffentliche Sammelstellen, Abholdienste, Fachfirmen und Recyclinghöfe für jede Gemeinde. Das Trennen und Sammeln von Abfällen hilft der Umwelt und spart Geld. In der Regel ist es sinnvoll Altmaterial zu trennen und richtig zu entsorgen. Da die Schweiz arm an Rohstoffen ist, wurden schon früh Abfälle weiterverarbeitet. Aber nicht alle gesammelten Abfälle bleiben in der Schweiz, auch weil der internationale Wettbewerb um Wertstoffe gross ist.
Jedes Material wird unterschiedlich wiederverwertet. Der Kunststoff, umgangssprachlich Plastik genannt, ist keine Ausnahme. Die Vielfalt von Kunststoffen, welche sich chemisch und physikalisch unterscheiden, ist enorm. Deshalb werden Kunststoffe, wenn möglich, separat gesammelt. Bekannt sind PET- oder PE-Flaschen (z. B. für Milch). In einigen Gemeinden können inzwischen variierende Verpackungsmaterialien in einem speziellen Sack gesammelt werden. Der größte Anbieter dafür ist Migros mit dem „Plastiksammelsack“. Die anschliessende Trennung und Wiederverwertung von Kunststoffen findet derzeit nicht in der Schweiz statt. Es bestehen aber Pläne, ein solches Werk in der Schweiz aufzubauen.
Hartplastik, Spielzeuge und nicht vollständig geleerte Kunststoffflaschen gehören in den Hausmüll. Behälter mit giftigem Inhalt gibt man am besten kostenlos an die Verkaufsstelle zurück. Für grössere Mengen gibt es in jedem Kanton eine Giftannahmestelle.
Die Schweiz produziert viel Müll. Mit 700 kg Haushaltsabfall pro Kopf gehören wir zu den Spitzenreitern weltweit. Die Recyclingquote ist bei Materialien wie Glas und Papier sehr hoch. Beim Kunststoffrecycling liegt die Verwertungsquote jedoch unter 10 %. Ein Grossteil des Kunststoffs wird verbrannt und energetisch genutzt (Elektrizitätsgewinnung, Fernwärme). Mit einer höheren Rücklaufquote beim Kunststoff lohnt sich der Aufbau von Weiterverarbeitungsanlagen.
Die Reduktion der Verbrauchsmenge ist aus Umweltsicht besser als Recycling. Verursachergerechte Gebühren können die Verbrauchsmenge senken und dazu motivieren, wertvolle Rohstoffe in den Kreislauf zurückzuführen.
Als Mikroplastik werden kleine Kunststoffteile mit einem Durchmesser unter 5 mm bezeichnet. Durch achtloses Wegwerfen von Müll, Reifenabrieb oder Waschen von Kunststofftextilien gelangen diese in die Umwelt. Schätzungen gehen von etwa 14’000 Tonnen pro Jahr in der Schweiz aus. Über mögliche gesundheitliche Folgen wird aktuell geforscht. Es gibt Hinweise, dass Mikroplastik hormonaktiv, giftig und entzündungsfördernd sein kann. Kunststoff baut sich kaum ab, sondern wird nur immer kleiner.
Recycling ist meistens sinnvoll. Beim Kunststoff braucht es aber spezielle Verfahren und aktuell eine eigene Sammellogistik. Abnehmer sind die Industrie oder das Gewerbe. Die Vielzahl der Kunststoffarten ist herausfordernd, daher wird ein Grossteil der Kunststoffabfälle derzeit in der KVA verbrannt.