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Vom WC direkt in die Reuss

Die Sanierung in der Luzerner Kleinstadt ist in vollem Gange. Wir nutzen die Gelegenheit und werfen einen Blick auf den Krienbachkanal. Dabei erfahren wir, dass bei starken Gewittern das Abwasser direkt in die Reuss fliesst.

Letzthin war ich wieder einmal in der Luzerner Kleinstadt unterwegs. Die momentane Baustelle (zentralplus berichtete) am Krienbachkanal ergänzte meinen Stadtbummel mit interessanten Einblicken in unser Abwassersystem.

Ganz unten an der Reuss schoss im Baustellenbereich ein brauner Bach vorbei. Zu meinem Erstaunen floss dieser nicht etwa in die Reuss, sondern weiter in unterirdischen Kanälen. Handelt es sich da nicht um den Krienbach, der eigentlich hier in die Reuss fliessen sollte?

Nur noch Abwasser im Krienbachkanal

Gemäss Real Luzern, welche für die Kanalisation in der Stadt und Agglomeration Luzern verantwortlich ist, fliesst im Krienbachkanal seit 1993 kein Bach mehr. Das saubere Wasser aus den Wildbächen vom Pilatusnordhang fliesst durch einen Stollen via Sonnenberg auf anderen Wegen in die Reuss. 

Im Krienbach fliesst seither nur noch Schmutzwasser, wie heute das Abwasser genannt wird. Es ist also Schmutzwasser, das dort kurz ans Tageslicht kommt und kurz danach weiter unterirdisch zur ARA geleitet wird. Zum Glück habe ich dies nicht gerochen.

Früher führte an der Stelle des heutigen Kanals der Krienbach offen in die Reuss. Er war gleichzeitig Bach und Abwasserkanal. Deshalb trägt der Kanal heute noch den Namen Krienbachkanal. Hier der offene Krienbach an der Burgerstrasse (undatiert).
Früher führte an der Stelle des heutigen Kanals der Krienbach offen in die Reuss. Er war gleichzeitig Bach und Abwasserkanal. Deshalb trägt der Kanal heute noch den Namen Krienbachkanal. Hier der offene Krienbach an der Burgerstrasse (undatiert). (Bild: Stadtarchiv)

Folgen eines Gewitters

Ein weiteres Detail wird erst bei genauem Betrachten der Baustelle sichtbar. Es ist das Regenüberlaufbauwerk, wie dieser Teil des Krienbachkanals technisch genannt wird.

Hier fliesst im «Notfall» das Schmutzwasser direkt in die Reuss. Dieser Notfall kommt öfter vor als gedacht. Wenn infolge Gewitter oder Dauerregen sehr grosse Wassermengen durch die Kanalisation donnern, wird ein Teil der stark verdünnten Brühe ungereinigt in die Reuss geleitet.

Die ARAs sind für die Klärung der Wassermenge bei normalem Wetter konzipiert. Wenn die Regensammelbecken voll sind und es weiter aus allen Kübeln giesst, fliesst unser Abwasser also ungereinigt in unsere Reuss.

Keine Gefährdung

Durch die starke Verdünnung besteht für Mensch und Umwelt keine direkte Gefährdung. Aber trotzdem war ich der irrtümlichen Auffassung, dass unser Schmutzwasser, bevor es in einen Bach, Fluss oder See gelangt, immer gereinigt werde und deshalb unser Wasser so sauber sei. Nun weiss ich, dass dem nicht immer so ist. Wenn ich also beim nächsten Gewitter auf dem WC sitze, werde ich mir vielleicht überlegen, welchen Weg wohl mein Abwasser nehmen wird.

Grosser Energieaufwand

Übrigens sind Wasserversorgungen und Kläranlagen die grössten Strombezüger der Gemeindeinfrastruktur. Rund ein Drittel des Energiebedarfs der öffentlichen Aufgaben einer Gemeinde wird dafür aufgewendet, sauberes Wasser in unsere Wohnungen zu bringen und das Schmutzwasser wieder zu reinigen. Der Bau und Unterhalt der ganzen Infrastruktur ist darin noch nicht einberechnet. Sauberes Wasser bleibt ein kostbares Gut.

Zuletzt geändert 
12 Jul 2019 - 13:45

Autor

 

Andreas Merz
Umweltberatung Luzern
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