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Luzerner Wald unter Druck

Aufgrund der im Zusammenhang mit dem Corona-Virus verhängten Massnahmen gerät der Wald zusätzlich unter Druck. In Luzern bestehen Orte, wo hinter jedem Baum jemand sein grosses Geschäft verrichtet hat, es wurden zahlreiche wilde Feuerstellen erstellt und selbst in Naturschutzgebieten wurden Waldhütten gebaut.
  • Kübel im Gütschwald (Bild: Stadtforstamt Luzern)

Die Zeiten während des Corona-Virus verlocken zu einem Spaziergang im Biregg- oder Gütschwald. Auch ich geniesse die warmen Temperaturen, wenn ich dem Rotsee entlanglaufe und meine Füsse durch den mit Pollen übersäten Boden gleiten lasse. Was für uns ein schöner Frühling ist, macht unseren Wäldern und unseren Wildtieren jedoch zu schaffen.

Regen für die Wälder dringend notwendig

Der Zustand unserer Wälder gibt Anlass zur Sorge: Grund dafür ist die anhaltende Trockenheit, und dies in Monaten, die sehr regnerisch sein sollten. Während fünf Wochen fiel kein Tropfen Regen. Es war bis Dienstag so trocken, dass vergangenes Wochenende der Grünguthaufen der Stadtgärtnerei, welcher noch nicht einmal gehäckselt war, zu brennen anfing.

Zum Glück wurde das Feuer rasch bemerkt, sodass die Feuerwehr den Brand innert einer Stunde gelöscht hatte und das Übergreifen der Flammen auf den angrenzenden Wald vermieden werden konnte.
  • Feuerstelle (Bild: pixabay)

Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald Lawa des Kantons Luzern hatte daher die Gefahrenstufe 4 von 5 für den gesamten Kanton ausgerufen. Das bedeutet, dass absolutes Feuerverbot in Wald und Waldesnähe gilt. Widerhandlungen können mit Bussen von bis zu 20’000 Franken geahndet werden.

Nicht nur die Trockenheit, auch der Mensch fordert derzeit den Wald

Auf den Strassen ist es durch die auferlegten Einschränkungen im Moment relativ ruhig. Anders sieht es in unseren Wäldern aus. Dies zeigt auch ein Gespräch mit Raphael Müller, Stadtoberförster der Korporation Luzern. Er zeigte auf, dass im Moment diverse Faktoren negativ auf den Wald und seine Wildtiere einwirken.

  • Feuerstelle im Gütschwald (Bild: Stadtforstamt Luzern)

So erklärt er, dass vielfach unwissentlich gegen die Waldbrandgefahr verstossen würde. Beim Gütschwald gebe es teilweise alle 30 Meter eine wilde Feuerstelle. Das bedeutet, dass die Feuerstellen selbst errichtet wurden. Plakate an den Waldeingängen oder an sensiblen Orten im Wald weisen seit einigen Tagen darauf hin, dass das Feuermachen im Wald verboten ist.

Auch sagt Raphael Müller, dass die Natur momentan kaum mehr zur Ruhe komme. Durch das schöne, trockene Wetter sind viele Leute von morgen früh bis abends spät im Wald unterwegs. Dabei bewegen sich die Besucher vielfach mit Mountainbikes oder zu Fuss neben den Wegen und halten sich oft nicht an die Hundeleinenpflicht. Damit stressen und gefährden sie die Tiere im Wald.

Sein Team stellt auch fest, dass Bäume absichtlich verletzt oder sogar gefällt werden. Zudem werden auch die Naturschutzgebiete nicht respektiert und dort sogar Waldhütten gebaut. Die hohe Anzahl der Waldbesucher würden den Wald und die Wildtiere zu stark fordern. Die Wälder seien zurzeit übernutzt.

  • Solche Bäume wie dieser im Gütschwald sind anfällig auf Krankheiten und Schädlinge (Bild: Stadtforstamt Luzern)

Erstaunlicherweise könne nicht festgestellt werden, dass mehr Abfall wissentlich im Wald liegen gelassen würde. Die Kapazität der Kübel käme zwar an die Grenzen, aber immerhin wolle der Abfall korrekt entsorgt werden. Anders sieht es mit der Notdurft aus:

Es gebe Orte, wo hinter jedem einzelnen Baum jemand sein grosses Geschäft verrichtet habe. Der Kot ist nicht nur störend, sondern kann natürlich als Krankheitsübertrager von Mensch auf Tier oder in dieser Dichte gar von Mensch zu Mensch wirken.

Menschenkot kann übrigens auch mit Hundesäckli aufgehoben und im Robidog entsorgt werden.

Fazit

Der grosse Ansturm auf die stadtnahen Wälder zeigt, dass sich die Aufenthaltsqualität in den städtischen Strassen in Grenzen hält. Würden wir grünere und attraktivere Aussenräume in der Stadt haben, so könnte das Naherholungsgebiet der Menschen bald wieder Wohngebiet für die freilebenden Tiere werden.

Wer macht denn nicht lieber einen Spaziergang zwischen Bäumen, Blumen und auf weichem Waldboden statt zwischen parkierten Autos, Abgasen und heissem Asphalt?

Verhalten wir uns im Wald doch wie Gäste: Wir respektieren die privaten Räume, verhalten uns zurückhaltend und erledigen unsere Notdurft nicht auf dem Wohnzimmerteppich. Am besten betreten, nutzen und verlassen wir ihn, wie wir ihn angetroffen haben: ruhig.

 

Allgemeine Hinweise

Leinenpflicht für Hunde

Der Frühling weckt nicht nur im Menschen Gefühle. Unsere Rehe, Hasen, Amphibien und viele weitere Arten befinden sich in der Paarungszeit, bauen Nester und ziehen ihre Jungen gross.

Streunende Hunde und Menschen abseits der Wege verursachen hohen Stress bei den Eltern, denn sie müssen durch das Aufschrecken oft ihre Jungen alleine zurücklassen. Es wurde nachgewiesen, dass mehr Rehkitze von Hunden als von Füchsen getötet werden.

Ranger, Wildhüter und Bussen. Wer darf was?

Seit dem Juni 2019 dürfen auch die kantonalen Fischereiaufseher sowie kantonale Wildhüter Bussen verteilen. Dies gilt für den Waldbrandschutz, Littering, wie aber auch gegen das Freilassen von Hunden.

Die ehrenamtlichen Ranger der Luzerner Allmend patrouillieren, um die Hundebesitzenden auf die Ordnung hinzuweisen. Die Ranger selbst dürfen keine Bussen verteilen. Gegebenenfalls könnte jedoch über die Ranger auch eine Anzeige bei der Polizei erfolgen.

Weiterführende Links:

Zuletzt geändert 
11 Mai 2020 - 08:44

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