Sie sind hier

Hilfe, wir haben Fledermäuse als „Mitbewohner“!

Alle Jahre wieder werde ich von einer Fledermaus - Invasion heimgesucht. Ich wohne in einem Miethaus und die Tierchen leben hier in den Storenkästen zur Untermiete. Auf den Fenstersimsen sammelt sich Kot. Obwohl ich die Simse täglich reinige, stinkt es zum Himmel. Hausverwaltung und Kammerjäger ziehen sich aus der Verantwortung. Fledermäuse sind geschützt! Was kann ich tun?

Fledermäuse sind faszinierende Tiere. Da sie sich ausschliesslich von Insekten ernähren und es im Winter bei uns keine Insekten gibt, überwintern Fledermäuse regungslos und auf wenige Grad über dem Gefrierpunkt runtergekühlt im sogenannten Winterquartier – kaum je in Häusern. Im Frühjahr, sobald die Temperaturen steigen, erwachen die Fledermäuse und ziehen um in ihr Sommerquartier bzw. trächtige Weibchen in die sogenannte Wochenstube. Dabei sind die Tiere ausgesprochen standorttreu. Sie suchen jedes Frühjahr dasselbe Quartier wieder auf. Daher die alljährliche «Invasion».

Anspruchsvolle «Untermieter»

Sie können sich geehrt fühlen, denn Fledermäuse sind bei der Wahl eines geeigneten Quartiers durchaus anspruchsvoll. Sie mögen es warm, trocken und vor Zugluft geschützt. Je nach Fledermausart – in der Region Luzern leben 18 verschiedene Arten – muss das Quartier zudem weitere Kriterien erfüllen: Die direkte Umgebung um das Quartier ist wichtig, die Grösse des Hohlraums usw. Da Fledermäuse bundesrechtlich geschützt sind, dürfen Sie in der Tat nichts unternehmen, das die Tiere aus ihrem Quartier vertreiben würde. In den meisten Fällen sind Fledermäuse ohnehin sehr unauffällige, angenehme Nachbarn.


Kurzantwort

Fledermäuse sind keine Gefahr für die Menschen oder das Gebäude, in dem sie sich aufhalten.
Das Problem mit dem stinkenden Kot lösen Sie am besten mit einem bepflanzten Balkonkistchen; der Kot wird darin rasch abgebaut. Oder montieren Sie ein schräges Brett auf dem Sims, damit die Chegeli runterrollen. Sie sollten das Quartier an den kantonalen Fledermausschutz- Beauftragten melden.


Allfällige Probleme mit stinkenden Kot- Chegeli lassen sich ganz einfach mittels Geranien oder anderen Pflanzen in Blumenkisten lösen. Wird die Blumenkiste unter dem Storenkasten auf den Fenstersims gestellt, fällt der Fledermauskot jeweils dort hinein. Die im Boden lebenden Mikroorganismen bauen den Kot rasch ab, wodurch der Gestank verschwindet, und zugleich profitieren die Geranien von der regelmässigen Düngung.

Wer sich keinen grünen Daumen zutraut, kann ein ca. 30 cm breites Brett schräg auf den Fenstersims montieren, so purzeln die Kot-Chegeli von selbst runter und der Reinigungsaufwand wird viel kleiner. Sollte dies aus ästhetischen Gründen nicht in Frage kommen, empfiehlt es sich, mit dem kantonalen Fledermausschutz- Beauftragen Kontakt aufzunehmen. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass eine Fachperson vorbeikommt und sich das Problem vor Ort ansieht. Dank einem grossen Erfahrungsschatz kann so mit den Betroffenen zusammen die gangbarste Lösung gefunden werden.

Im Übrigen ist wichtig zu erwähnen, dass Fledermäuse weder die Isolation noch das Mauerwerk in irgendeiner Weise beschädigen können und dass von den Tieren keine Gefahr für Menschen und Haustiere ausgeht – im Gegenteil. Da die Fledermäuse sich ausschliesslich von Fluginsekten ernähren, eliminieren sie die Mehrheit der Stechmücken in der Umgebung um das Haus. So kann man abends länger ungestört auf der Terrasse sitzen und hat auch in der Wohnung weniger Stechmücken.

Bitte melden!

Wer bei sich zu Hause ein Fledermausquartier entdeckt, ist gebeten, dieses dem kantonalen Fledermausschutz zu melden. Je mehr Quartiere bekannt sind, desto besser kann abgeschätzt werden, wie es um die Fledermäuse bestellt ist – ob sie seltener werden oder ob sich die Bestände erholen. Besonders interessant sind Meldungen von Dachstöcken mit offen hängenden Fledermäusen, da es sich dabei um besonders seltene Arten handelt (Mausohren, Langohren oder gar Hufeisennasen). Das Meldeformular sowie die Kontaktdaten des kantonalen Fledermausschutz Beauftragten finden Sie auf der Internetseite: www.fledermaus.info/luzern.


 
Zuletzt geändert 
27 Aug 2019 - 15:51

Autorin

 

Gabriela Schenker
Umweltberatung Luzern
öko-forum
Bourbaki, Löwenplatz 11
6004 Luzern

041 412 32 32
Mail

 

Persönliche Beratung
Öffnungszeiten

 

Newsletter Anmeldung