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Dürfen wir uns gegen die Fledermäuse nicht wehren?

Seit Monaten wird unser Haus von Fledermäusen belagert. Tag für Tag sind Fenster und Simse mit Kot verschmutzt. Es stinkt zum Himmel! Die Fledermausberatung verwies mich darauf, dass dies geschützte Tiere sind. Aber können die Verunreinigungen nicht auch Krankheitskeime verbreiten? Was «dürfen» wir unternehmen?
  • Bild: Flickr

Zu fürchten brauchen wir die seit mehr als 50 Millionen Jahren durch die Lüfte flatternden Flugakrobaten nicht. Vielmehr sind sie selber bedroht und auf unsere Hilfe angewiesen. Fledermäuse gehören zu den Säugetieren. Weltweit sind rund 1200 Arten bekannt - in der Schweiz wurden bis heute 30 Arten nachgewiesen. Diese ernähren sich ausschliesslich von Insekten.

Fliegen im Winter während Wochen keine Insekten, halten Fledermäuse in einem Winterquartier Winterschlaf. Dabei sind sie kaum wärmer als der Gefrierpunkt. Während der warmen Jahreszeiten verstecken sich die nachtaktiven Tiere tagsüber gerne kopfüber in natürlichen Hohlräumen oder in Zwischenräumen an und in Gebäuden.

Trächtige Weibchen versammeln sich für die Geburt der Jungen zu Kolonien. Als solche sogenannte Wochenstube kann etwa ein Dachstock oder auch ein Storenkasten dienen.


Kurzantwort

Fledermäuse sind als stark bedrohte Tierart bundesrechtlich geschützt. Es darf aber nichts getan werden, was die Tiere vertreiben könnte. Ist die Situation unerträglich, sollte der kantonale Fledermausschutz- Beauftragte kontaktiert werden. Die Verbreitung von Krankheiten durch Fledermäuse ist nicht zu befürchten.


Fledermäuse sind standorttreu und suchen alljährliche dieselben Quartiere auf. Wochenstube, Winterquartier, Tagesverstecke: Die bedrohten Tiere sind auf diese Orte angewiesen. Verlust von Lebensraum und geeigneten Quartieren sind der Hauptgrund für den Bestandsrückgang.

Nun kommt es vor, dass sich unter dem Einschlupfloch ins Versteck Kot sammelt. Da Fledermäuse bundesrechtlich geschützt sind, darf tatsächlich nichts unternommen werden, was die Tiere vertreiben könnte.

Um den stinkenden Kot zu beseitigen, kann ein bepflanztes Kistli unter das Einschlupfloch gestellt werden. Der hereinfallende Kot wird sehr schnell von den Mikroorganismen in der Erde abgebaut, der Gestank verschwindet und die Pflanzen erhalten Gratisdünger. Das Montieren von Kotbrettern mindestens einen Meter unterhalb der Einschlupfstelle oder das Installieren von schrägen Brettern auf dem Fenstersims kann den Reinigungsaufwand ebenfalls verringern.

Ist die Situation wirklich unerträglich, zögern Sie nicht, sondern treten Sie mit dem kantonalen Fledermausschutz- Beauftragten (www.fledermausschutz.ch/Schutz/Adressen) in Kontakt.

Werden Massnahmen ergriffen wie etwa das Anbringen von Fledermauskästen in der Nähe der bewohnten Storenkästen, besteht die Möglichkeit, in Absprache mit einer Fachperson das Quartier im Winter bei Abwesenheit der Tiere zu verschliessen. So werden die Tiere nicht gefährdet, finden aber im Frühling ein verschlossenes Quartier vor und weichen eventuell auf den neuen Fledermauskasten aus.

Kein zusätzliches Risiko

Vor Krankheitskeimen brauchen Sie sich übrigens nicht zu fürchten. Wie in und auf allen Tieren (inklusive Mensch!) befinden sich auch auf Fledermäusen Viren, Bakterien und Pilze. Da unser Immunsystem aber täglich verschiedensten Erregern ausgesetzt ist (öffentlicher Verkehr, Toilette etc.), weiss es sich zu wehren. Um allfälligen Krankheitserregern keine Chance zu lassen, waschen Sie am besten nach dem Entfernen des Fledermauskots die Hände ausgiebig mit Seife.


 
Zuletzt geändert 
19 Aug 2019 - 14:42

Autorin

 

Regina Lenz
Umweltberatung Luzern
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